Samstag, 7. November 2015

Luftschloss Hubelgut



Olivia hatte von einem Fest ohnegleichen, mit dem Motto ‘Zirkus Luftschloss’, Wind bekommen und da bot es sich an ein paar Highliner zu organsieren. Highlines über Events zu laufen ist immer wieder schön und eine viel zu seltene Gelegenheit um sie nicht zu nutzen (siehe “Balkone die Nachbaren verbinden”).

Trotz Vorfreude wurde das Aufbauen der 50m langen Highline vor dem wunderschönen Herrenhaus zu einem zweistündingen Wettlauf gegen den Sonnenuntergang, den ich und Alexis aber glücklicherweise gewannen. Es waren zu Abwechslung keine Stirnlampen nötig und alles verlief erstaunlich reibungslos und ohne Zeitraubende Fehler. Es reichte mir sogar noch für einen Spaziergang auf der Line. Die Aussicht auf Bern und der Sonnenuntergang waren wunderschön, allerdings dachte ich nur an die Bäume, die sich ‘sanft’ mit meinen Bewegungen auf der Highline hin und her wiegten...


Am nächsten Tag trudelte ich dann um drei Uhr Nachmittags mit dem Fahrrad ein, als noch die letzten Vorbereitungen für das Fest stattfanden. Alexis hatte unterdessen einen Leashfall in der Mitte der Line hingelegt, worauf mein Vertrauen in die Bäume nicht unwesentlich anstieg und ich mich bei meiner zweiten Begehung schon viel wohler fühlte. Richtig schön wurde die Stimmung während dem Sonnenuntergang, der reichlich goldenes Licht auf die Terrasse und die Highline verteilte und das Panorama von Bern erstrahlen liess. Ein wenig abgefahren war es in der Nacht über farbigen, blinkenden und blendenden Lichtern zu gehen, sowohl die des Festes als auch der Stadt in der Ferne. Alles in allem eine wunderschöne Line an einem besonderen Ort, über einem tollen Anlass.


A propos: Das Hubelgut ist eine WG mit neun Bewohnern in einem Herrenhaus aus dem 17. Jahrhundert. Abgesehen von der Highline und der 1A Stimmung war schon die Besichtigung des Hauses an sich Überwältigend. Jedes Zimmer hat Charakter und wie sich die Bewohner eingerichtet haben ist beneidenswert. Oben im ‘Rittersaal’ (schöner Dachstock mit Kachelofen und doppelstöckiger Sofa-lounge) mussten wir uns für 15 Minuten hinsetzen und einfach nur grinsen: So cool kann eine WG sein.


Ein Anlass der nicht nur Slacklinetechnisch eine Inspiration war!


Geschrieben von Marc

Dienstag, 18. August 2015

USA Trip – "Highlife" in und um Smith Rock


In meinem Anglistik Studium (zu deutsch: Englische Sprache und Literatur) wird von den Studenten verlangt, dass jede und jeder in ein englischsprachiges Land Arbeiten oder Studieren geht. Für mich war von Anfang an klar, dass mir eine interessante Arbeitserfahrung lieber wäre als ein Auslandsemester, so sehr ich das Studentenleben auch geniesse...
Nach einigen gescheiterten, zugegebenermassen halbherzigen, Versuchen mich bei einer Permakultur oder Biofarm zu bewerben, schrieb ich zuerst Jerry Miszewski von Balancecommunity.com aus den USA eine Nachricht. Nach einigem hin und her schien ihm ein Praktikant aber nicht praktikabel. Danach versuchte ich es bei Jason Fautz, der eine kleine aber feine Bude mit Namen "SlacklineTechnology" oder "SlackTech" betreibt und Komponenten für Long- und Highlines herstellt. Diesem war mein Wunsch, für ihn gratis arbeiten zu wollen, überhaupt nicht zuwider und die Sache war letzten Februar nach drei Facebook Nachrichten gebongt. Zu meinem Erstaunen war die Universität auch völlig bereit mir dafür Credits zu geben und ein Visum brauchte ich als „volunteer“ auch keines. Der organisatorische Aufwand hielt sich also in Grenzen.
Leider kein Foto vom Sternenhimmel, aber
immerhin vom 'geputzten' Campingkocher
Am 22. Juni, zwei Tage nach einem gelungenen Geburtstags- und Abschiedsfest, gings also los und nach drei Flügen und viel zu wenig Schlaf holte mich Jason um halb ein Uhr morgens in Redmond OR, am Flughafen ab und fuhr mich auf den Smith Rock Camping. Zuallererst fielen mir die Sterne auf. Ich hatte die erste Nacht noch kein Zelt und es war Neumond, man sah die Milchstrasse und tausende kleine Sterne die bei uns zu Hause nur selten sichtbar sind, es fing also alles gut an. Am nächsten Morgen gings dann los mit einem Spaziergang um Smith Rock State Park und den ersten Bekanntschaften, von denen ich die Hälfte in meinem "gejetlaggten" Zustand wieder vergass. Dennoch entwickelten sich diese Bekanntschaften im Verlaufe der Acht Wochen zu Freundschaften. Ich könnte allein über die farbenfrohen Gestalten, die die Slackline und alternative Szene vor Ort ausmachten, Bände schreiben. Werde mich aber für diesen Blog auf eine Zusammenfassung der Ereignisse beschränken müssen. Schliesslich war die Arbeit spannend und die Community einzigartig und an Highlines, Seilsprüngen, Spacenets und ein wenig Rumreisen fehlte es auch nicht.
Smith Rock hat eine sehr hohe Dichte an Highlines die bereits etabliert sind und weitere die es noch werden wollen. Fast alle Lines sind unter eine Stunde zu Fuss vom Bivy (Camping) erreichbar, und da einige Highliner gleich dort wohnen war es (natürlich nicht ohne die obligatorische "Slackline Viertelstunde" Verspätung vor dem losgehen) einfach die Lines zu riggen. Es kam vor, dass die Locals nicht immer ganz so motiviert waren wie die Auswärtigen, da sie sozusagen im Schlaraffenland leben. 
Kletteraktion bei Vollmond
Nach einigen Wochen ging es mir aber genau gleich, da die Temperaturen im Sommer gegen die 40 Grad klettern und man nebst dem Highlinematerial auch gut und gern 2 Liter Wasser pro Person einrechnen durfte. So war es dann auch häufig so, dass die Lines eine Woche lang hingen und man jeweils Abends und frühmorgens die angenehmen Temperaturen ausnutzen konnte. Um die Mittagszeit wälzten sich viele um den Bivytisch oder tranken im lokalen Kletterladen, der gleichzeitig auch eine Bar war, ein Bier. 
Bei Vollmond waren aber alle voller Tatendrang um durch die Nacht zu Klettern oder einmal gar einen Ropeswing aufzubauen. Bei Temperaturen um die 15 Grad und sternenklarem Vollmond hat das auch immer Spass gemacht. Wolken und Regen waren übrigens selten ein Thema. Während den ganzen acht Wochen regnete es lediglich zwei bis dreimal.

Abgesehen von den ganzen schönen Highlines war die Community das eigentliche Highlight des Aufenthalts. Egal wie schräg man auch war, es wurden alle mit offenen Armen empfangen; solange man friedlich miteinander umging. Abends sassen wir Langzeitcamper mit zufälligen Gestalten um unseren Tisch und quatschten bis es dunkel wurde, schmiedeten Pläne für Highlines, massierten uns gegenseitig mit einer Autopoliermaschine (Who’s up for a "buffing"?!) und kochten zusammen das Abendessen. In der nächstgelegenen grösseren Stadt, Bend, existiert auch eine lebhafte Akro-Yoga und Hippie Community, welche sehr zum Rumhängen einlud und sogar einmal eine oben-ohne Party veranstaltete. Die vielen schönen Stunden mit den Leuten verflogen leider viel zu schnell und es gab häufig Momente wo ich gerne länger geblieben wäre um mehr als nur die kurzen acht Wochen am Leben um Smith Rock teilzuhaben.
Das besagte Gummiboot
Glücklicherweise lagen auch noch zwei Ausflüge mit Jason drin. Beide offiziell fürs Business, aber der Spass kam trotzdem nicht zu kurz. Zuerst fuhren wir acht Stunden via Seattle (höllischer Verkehr) nach Bellingham, WA. Wir besuchten eine Seilfabrik und Jason hatte noch anderes zu erledigen. Wir schliefen im Hause eines alten Freundes von Jason und freuten uns einmal ein Dach über dem Kopf zu haben. Ausserdem fanden wir noch einen freien Vormittag um eine 100m Midline über dem Meer zu spannen, selbstverständlich alles auf PRIVATE PROPERTY die mit unzähligen NO TRESPASSING Schildern gespickt war. Der Aufbau verlief dank unserem perfekt getarnten, leuchtgelben Gummiboot mit Leck reibungslos und nachdem ich die Line einmal gelaufen war und Jason sich darauf ausgepowert hatte, waren wir auch schon wieder verschwunden und schafften es gerade noch rechtzeitig an ein Meeting am Nachtmittag.
Der Zweite Trip, in der drittletzten Woche, führe uns Nach Salt Lake City, UT an die Outdoor Retailer Show: die grösste Outdoormesse in den USA. Da wir keinen eigenen Stand hatten und Jason fleissig am networken war, blieb mir nichts anderes zu tun als die unzähligen Stände abzuklappern und mit meinem "ATHLETE" Badge und Bildern vom Highlininen bewaffnet so viel "free swag" zu sammeln wie möglich. So sicherte ich mir einen Schlafsack der sich auch als eine Art Pullover der Superlative tragen lässt, Sandalen, Leggins mit grellem Muster, Notizbücher, ein Buff, ein Strandzelt und viel zu viele Sticker. Ausserdem gelangen mir Einblicke in die kommerzielle Welt der Outdoorbranche und auch ich machte einige Connections und sammelte fleissig Visitenkarten.


Fünf-Sterne Schlafstelle inkl. Zuglärm
Gesund war die Show allerdings nicht: wir schliefen im Auto oder irgendwo auf einem Spielplatz (wobei Jason einmal mit einem Rasensprenger Bekanntschaft machte) oder neben einem Bahngeleis und assen vor allem was wir von den Energieriegel-Herstellern und anderen Outdoor Verpflegungsfirmen kriegen konnten. Danach waren meine zwei Campingmatten und mein kleines Zelt im Bivy der reinste Luxus, allerdings erst nachdem wir die 12 Stunden Heimfahrt bewältigt hatten. Am Salt Lake Trip faszinierte auch die unglaublich Weite der Landschaft, die in Europa so schwer zu finden ist. Kilometerweit erstreckt sich eine schnurgerade Strasse über die Hochebene und nur ab und zu trifft man auf eine einsame Tankstelle oder ein kleines Städtchen mit einigen verwitterten Gebäuden; wobei die Landschaft eindeutig schöner ist als die Niederlassungen der wenigen Einwohner.
Alles in allem habe ich die Menschen mitsamt Smith Rock ins Herz geschlossen und hoffe eines Tages nur zum Reisen und Entdecken zurückzukehren. Die acht Wochen gingen viel schneller vorbei als ich es mir erhofft hatte und der Abschied viel mir schwerer als ich es Anfangs für möglich gehalten hatte, als ich den ersten Fuss auf den kargen Boden von Redmond setzte. Am letzten Abend gab es noch eine kleine Feier in der Kletterbar, selbstverständlich mit zwei Buffern (also wieder Autopoliermassagen), guten Leuten und ein wenig Bier. Nick Braun, ein lokaler Fotograf, schenkte mir noch grosse Poster von Fotos die er am Tage zuvor von mir auf "Temple of the Winds" aufgenommen hatte; der schönsten Line im Park die ich glücklicherweise noch Aufbauen und Laufen durfte. Eines der Poster liess ich von allen Anwesenden signieren und machte mich um Mitternacht traurig auf den weg zum Camping um wenigstens noch zu duschen und drei bis vier Stunden zu schlafen, bevor es dann um halb fünf Uhr Morgens zum Flughafen ging.

Geschrieben von Marc.









Am Zweitletzten Tag auf "Temple of the Winds"
Foto: nomadicwanderings.com

Donnerstag, 16. Juli 2015

Wenn Slackliner zu Ruderern werden…


Der Murks am Murgsee ist vorüber, was gibt es da schöneres, als gleich am Tag darauf eine Waterlinesession am Brienzersee einzulegen? Mit der ganzen Truppe des vorhergehenden Highlineprojektes und zusätzlich noch Thomas und Andrea stachen wir am Donnerstagmorgen mit zwei Ruderbooten in See. Ich versenkte zu Beginn zur Vorsicht schon mal meine Sonnenbrille; mit einer kleinen Tauchaktion konnte sie aber ohne Probleme wieder an Land (oder besser auf Boot) geholt werden. Nicht so bei unserem Ziel, der Entenbucht, die Tiefe dort beträgt ca. 320 Meter wie Tom danach erklärte, da lässt man die Bohrmaschine besser nicht fallen… 
Auf den gut sechs Kilometer bis zur Entenbucht musste natürlich auch schon ein kleines Rennen der zwei Boote stattfinden.
Tom und ich wollten uns schon fast geborene Ruderer nennen, als wir das vor uns gestartete Boot zuerst ein- und dann überholten. Mich hätte es auf jeden Fall nicht erstaunt, wenn ich eher vom Rudern als vom Waterlinen am nächsten Tag Muskelkater gehabt hätte.

Slacklinen geht auch im Wasser!
Bei der Bucht angelangt stellten wir als erstes die bereits 2011 von Bernhard eingebohrte Line. Mit einer Höhe von nur knapp einem Meter über Wasser war die Line noch wirklich nach „Alte Schule – Style“ eingebohrt. Wir mussten die 50 Meter White Magic auf jeden Fall ganz ordentlich anreissen, um nicht im Wasser laufen zu müssen.
So quasi als Kontrast dazu gönnten wir uns dann gleich daneben noch eine 120 Meter Rodeoline mit mindestens sechs Meter Durchhang. Um die Lineauswahl noch etwas zu vergrössern, bohrten wir auch noch eine 30m Sonic ein.

Den ganzen Tag durch tobten wir uns auf den Lines so richtig aus. Der See war erstaunlich warm und die Sonne schien den ganzen Tag über vom Himmel und liess das Wasser in der Bucht wunderschön blau aufleuchten.
Als die Sonne dann langsam hinter den Bergen verschwand traten wir den Rückweg an. Und dieser muss nun auch noch etwas beschrieben werden:
Kili, Fäbu, Rea und ich schnappten uns gleich das Siegerboot vom Hinweg und machten uns gemütlich aber Siegesbewusst auf den Weg. Es dauerte aber nicht lange, und wir mussten feststellen, dass wir die übelsten Schlangenlinien ruderten. Das andere Boot, welches eigentlich tatsächlich langsamer gewesen wäre, kam schon bedrohlich nahe.

Abflug von der 120m - Rodeoline
Bei uns im Boot wurde deshalb schon bald angeregt über die richtige Rudertaktik debattiert. Von „So schnell es nur geht – und wenn’s eine Kurve macht dann einfach noch schneller…“ bis „möglichst im Takt und einseitig langsamer werden um einen Bogen zu fahren“ probierten wir alles aus. Jedoch ohne Erfolg, die Konkurrenz überholte uns eiskalt und zog davon.
Schon fast in Panik kam uns die letzte Rettungsidee: Kili und ich schlossen am Ruder einfach die Augen, was bewirken sollte, dass wir uns nicht mehr gegenseitig aus dem Takt brachten oder immer total übersteuerten weil beide gleichzeitig auf eine ungewollte Kurve reagierten. Auf jeden Fall wurden wir von nun an von Fäbu oder Rea angeleitet, wer wieviel Rudern sollte. Es funktionierte gar nicht mal so schlecht, reichte aber keineswegs aus um die Anderen wieder aufzuholen.
Dafür war aus der ernsten Rudertaktik-Diskussion wieder purer Spass geworden. Erst recht, als wir schon fast im Hafen feststellten, dass wir unser Gepäck nicht ungünstiger hätten platzieren können. Das ganze Gewicht nur hinten trug nämlich nicht gerade zur Linienhaltung des Bootes bei.
Naja, das geht wohl unter die Kategorie „Physiklektion im Kindergarten“. Wir beschlossen auf jeden Fall doch nicht auf die Sportart Rudern umzusteigen. So ganz geboren dafür sind wir wohl doch nicht…

Vielen Dank an Thomas für die ganze Organisation, es hatte riesig Spass gemacht und ich freue mich bereits auf ein nächstes Mal!

Geschrieben von Benj.

Montag, 13. Juli 2015

Heute Murgsen, morgen Murgseen


Im Frühling war mal die Idee vorgeschlagen worden, alle zusammen für ein paar Tage im Sommer loszuziehen, um die eine oder andere Line zu spannen. Nachdem ein Datum gefunden worden war fiel die Entscheidung kurz vor dem Start auf ein Gebiet südlich des Walensees, welches Tom kürzlich gesichtet hatte. Plan war am ersten Tag bis zu einer vielversprechenden Nadel aus Verrucano-Gestein aufzusteigen und dort bereits Abends die erste Highline gespannt zu haben. Am nächsten Tag sollten dann nach einer mehrstündigen Wanderung die Murgseen erreicht werden - wo ebenfalls wieder eine Highline aufgebaut werden sollte - dieses Mal über einem Wasserfall. Der dritte und letzte Tag wurde als Backup- und Waterline-Tag über dem untersten Murgsee mit in die Pläne eingerechnet.


Der wandelnde Rucksack
Mit reichlich Gepäck machten wir uns Montags morgens auf den Weg. Vor allem Benj war mindestens so gut bepackt wie ein süd-tibetanischer Maulesel. Wenn man hinter ihm lief bedeutete das konkret, dass man von ihm nicht viel mehr sah als einen riesigen Rucksack mit zwei Beinen. Nach gut zweieinhalb Stunden hatten wir die 700 Höhenmeter hinter uns und standen am Fuss der ersten geplanten Line. 
Benj und Kili machten sich daran auf den Turm zu klettern, was ihnen auch ohne eingebohrte Kletterroute gelang. Allerdings erübrigte sich das Vorhaben eine Highline zwischen den beiden Türmen zu spannen, als Benj ankündigte, die Distanz sei mit einem optimistischen Sprung überbrückbar. So liefen wir noch ein Stück weiter der Krete entlang um einen geeigneten Schlafplatz zu finden. Zwischen ein paar schönen Boulderfelsen richteten wir die Hängematten für die Nacht ein und machten uns an ein gutes, von Benj zubereitetes Abendessen.


Benj & Kili auf dem Turm
Nach einer richtig gemütlichen Nacht war die Motivation früh aufzustehen eher bescheiden - am späten Vormittag pilgerten wir langsam los in Richtung Murgseen. Auf der Karte sah der Weg relativ machbar aus, wenig Höhenmeter - eine gemütliche Sache. 
Doch dann machte uns die, nennen wir es mal "üppige", Bergvegetation einen kleinen Strich durch die Rechnung. Auf der Karte unscheinbar gewesen waren die zwei Flächen aus sogenannten Legföhren. 
Legföhren sind nichts anderes als gewöhnliche Bergkiefern mit dem Zusatz, dass sie jährlich vom Schnee etwas hangabwärts gedrückt werden und so eine Art hakenförmige Wuchsform erhalten. Interessanterweise werden sie bei Wikipedia mit "bilden oft ein undruchdringliches Gewirr" beschrieben. Sie sind meist zwei bis drei Meter hoch, was im übrigen bewirkt, dass, erst mal in einer solchen Ansammlung angelangt, eine Orientierung schwerer wird als man denkt, da ausser dem grün der Pflanzen und dem blau des Himmels (und eventuell dem gegenüberliegenden Hang) nicht mehr all zu viel zu sehen ist.



Kili hat etwas vielversprechendes gesichtet

Der Gesichtsausdruck
beschreibt die Situation
ziemlich treffend
In dieser eben beschriebenen Situation befanden wir uns rascher als gewollt. Die nächsten Stunden verbrachten wir nun damit uns durch die Legföhren zu arbeiten, was dank der klobigen Rucksäcke nicht unbedingt einfacher wurde. Unsere Geschwindigkeit würde ich mal auf beachtliche 5-10m pro Minute schätzen. Als hilfreicher Legföhren-Führer erwies sich dann aber Kili, der wie der Blitz durch das Gestrüpp flitzte und im Nu den richtigen Weg ausfindig machte, so dass wir zumindest keine Umwege machen mussten.

Grösster und vermutlich auch einziger Vorteil dieser Aktion war vermutlich, dass alle Teilnehmer dieser Übung sich hinterher als stolzer Besitzer des sogenannten Legföhrenbrevets Module 1 & 2 nennen dürfen (hiermit offiziell bestätigt). Dann ging es weiter in Richtung der drei Murgseen, welche wir nach rund einer Stunde auch erreichten. Dort angelangt erwartete uns ein idyllisch aussehendes Gewässer. Die Sonne schien den ganzen Tag über schon, alle hatten heiss und wollten schnellst möglich in den klaren Bergsee. Aber wieder kam etwas dazwischen… 


Gleich geschafft!
Dieses Mal war es der Fakt, dass man beim euphorischen Versuch den ersten Fuss ins flache Wasser zu setzen bis zur Wade im Schlamm versank. Eine unangenehme Geschichte, welche sich in Richtung des Ziels immer weiter verschlechterte, so dass man am Schluss bei rund 10-20 cm Wassertiefe bis zur Hüfte absoff. Ungünstigerweise erstreckte sich diese Schlammschicht etwa 30m hinaus, bis der richtige See begann. Hatte man es geschafft, konnte man angenehm im tiefen Wasser schwimmen als ob nichts gewesen wäre und amüsiert den Freunden zuschauen, wie sie sich ebenfalls durch den Schlamm kämpften. 
Als Zuschauer spannend anzuschauen waren dabei die verschiedenen Taktiken jedes einzelnen, um möglichst wenig Kontakt mit dem gruseligen Schlamm zu haben. Eine Variante war das "überschwimmen", welche mehrmals von verschiedenen Leuten getestet wurde, aber nie wirklich überzeugend wirkte. 


Olivia's Geburtstagsline
Mein persönlicher Favorit war die Taktik "Mit den Armen fuchtelnd und laut kreischend auf's Ziel zu rennen" - frei nach dem Motto kurz und schmerzlos. Positiver Nebeneffekt dabei waren sehr belustigte Zuschauer. Um uns das nicht nochmal antun zu müssen schwammen wir an eine andere Uferseite und liefen aussen herum zurück. 
Wir brauchten noch eine halbe Stunde bis zum Wasserfall, dem Highlinespot Nummer zwei. Olivia hatte an diesem Tag übrigens Geburtstag - in weiser Voraussicht hatte Tom einen schicken kleinen Kuchen mit hochgetragen, welcher zum Dessert serviert wurde. Vor dem Einschlafen noch ein paar Sternschnuppen zu sehen gab dem Abend ein entspanntes Ende. 

Am nächsten Tag gings dann ans Rigging der Highline, welches durch unsere Freunde die Legföhren mal wieder etwas schwerer gemacht wurde als es uns recht war, mit den am Vortag angeeigneten Skills allerdings gut meisterbar. 

Erst um drei Uhr hatten wir die 20m Highline fertig aufgebaut. Von der Länge her nichts besonderes, aber so neben dem Wasserfall liegend hatte sie durchaus ihren Reiz. Nach schnellem Abbau ging es wieder in Richtung Zuhause. Benj, der Erstbegehende nannte die Line hinterher "Murgsline", was jeder, der an diesem Plätzchen eine Wiederholung machen möchte vermutlich hinterher gut verstehen wird.

Ein kleiner Fazit: Dinge sehen manchmal leichter aus als sie tatsächlich sind - ob Legföhren-Querungen oder Schlammdurchwatungen - mit genügend Motivation und einem Quäntchen Humor ist vieles meisterbar. Und in Vergessenheit gerät es wohl auch nicht so schnell…


Geschrieben von Fäbu.




Sonntag, 28. Juni 2015

Urbanes Highline Meeting in Karlsruhe

Man hört ja viel Negatives über die "sozialen Medien"… Dass sie zwischendurch aber auch mal ganz praktisch sein können, durfte ich kürzlich herausfinden. Bei einem Blick in die Facebook-Welt fand ich Freitags Abends eine Einladung zum Urbanen Highline Meeting in Karlsruhe. Manuel Hennchen hatte das Projekt vor zwei Jahren schon mal organisiert - mit bestem Erfolg. Nach kurzer Absprache sass ich ein paar Stunden später im Zug.


Steff auf der 40m LC Sonic
Mitten in Karlsruhe sollten also nun dieses Jahr wieder im Rahmen des KIT Sommerfests zwischen den beiden Chemie-Gebäuden der Uni mehrere Highlines gespannt werden. Samstags Morgens traf ich kurz nach einem kräftigen Gewitterguss auf die Rigging-Crew: Steff, Luke, David und Jenny waren schon fleissig auf den Dächern daran die Lines aufzubauen. Ich gesellte mich dazu. Allerdings gestaltete sich der Aufbau nicht ganz so simpel wie man ursprünglich erwartet hätte. Mehrmals mussten kleine Änderungen am Set-up gemacht werden und wie üblich verging die Zeit schneller als gewollt. Schlingen wurden in grossem Stil benötigt (es wurden über 170m Schlingen verbaut). Dann trafen aber mehr Helfer ein und das Ganze nahm zunehmends an Form an. Steff traute sich als erstes auf ein gut 50m langes, ungespanntes Type 18-Band - nur rein schon zuzuschauen war eine spannende Sache. Wenn ich mich recht erinnere, waren übrigens alle Lines aus Nylon, die meisten davon hingen zudem schon gut durch ohne dass jemand darauf sass - ein Fakt der mein mulmiges Gefühl deutlich unterstützte. Den ganzen Tag über war ich schon leicht angespannt gewesen. Die Höhe der Gebäude war mit gut 40m zwar nicht die Welt, aber irgendwie war mir das ganze nicht so wirklich geheuer. 


Ein verdienter Ausblick für Manu
Ich war zwar vorher schon über urbane Highlines gelaufen, aber die senkrecht abfallende Fläche des Gebäudes, die vielen Stockwerke und die kleinen Menschen, welche unten auf dem Festival-Gelände wie Ameisen herumliefen gaben einem ein ungewohntes Gefühl von der Höhe. Nach dem Highlinen ging es gemeinsam ans Abendessen und hinterher hatte man die Auswahl zwischen verschiedenen Dancefloors des Sommerfests. Der Abend nahm seinen Lauf und endete gemütlich in der Hängematte. Ein kleines Luxusproblem entstand dann allerdings am nächsten morgen, als die Sonne so stark auf die Schlafsäcke schien, dass man quasi gezwungen wurde aufzustehen um den einen oder anderen Fuss auf die Line zu setzen. Das Highlinen auf nüchternen Magen klappte erstaunlich gut - nachdem ich mir am Vortag von den Profis ein paar Tipps geholt hatte lief's wie am Schnürchen. Ich war noch ein bisschen mehr motiviert als sonst, denn lustigerweise endeten die Lines auf der einen Seite auf dem gleichen Dach, auf dem mein Vater vor 30 Jahren seine Chemie-Experimente während des Studiums machte. Überraschenderweise konnte ich die extrem durchhängende 55m Sonic-Line komplett durchlaufen. Ein cooles Gefühl so über der Stadt den persönlichen Rekord zu toppen! Hinterher fiel mir auf, dass es auf so ungespannten Lines vermehrt unmöglich wird "rüber zu krampfen", wie ich es bis dahin häufig gemacht habe, wenn die Angst vor der Höhe da ist. So lange die Lines kurz und/oder gespannt genug sind klappt das meistens. Im Gegensatz dazu schaukelt man bei so dynamischen Lines alles viel zu stark auf, wenn man verkrampft versucht sich schnellst möglich ans andere Ende zu retten. Voraussetzung für das Gelingen ist quasi neben dem Fokus eine gewisse Ruhe zu entwickeln. "In der Ruhe liegt die Kraft" scheint also auch beim Slacklinen durchaus seinen Sinn zu haben...


Ein kleines Nickerchen über der Stadt könnte nicht 
schaden, hat sich Laura da vermutlich gedacht
Der Spass endete leider etwas früher als geplant, da wir aufgrund eines kleinen organisatorischen Missverständnisses schon mittags abbauen mussten. Halb so tragisch - so weit ich weiss war zumindest am Vortag jeder schon mal auf den Lines gewesen. Die Stimmung war insgesamt echt entspannt gewesen und es hat sehr Spass gemacht wieder ein paar neue Gesichter kennenzulernen. Abschliessend einen Riesen Dank an den Manu, der das ganze möglich gemacht hat. Wer weiss - vielleicht ist ja die Uni in Basel ebenfalls von einem ähnlichen Konzept überzeugbar…

Geschrieben von Fäbu.