Sonntag, 30. Juni 2013

Eine Woche Bergluft

Die Prüfungen waren vorbei, alles lief gut, alles war vorbereitet. Endlich ging’s los! Zusammen mit Fäbu und Kili machten wir uns mit riesigen Rücksäcken und viel Material auf in die Berge. Geplant waren einige Highlines und natürlich viel Spass.
Es war Sonntag, als wir nach einigen Pausen bei unserem ersten Platz ankamen. Direkt bei einem Wasserfall bauten wir zwei Lines auf. Die obere Line war ungefähr 18 Meter lang und stellte unsere erste Herausforderung dar. Kili startete den ersten Versuch und legte für seine doch noch eher beschränkte Slackline-Erfahrung einige sehr gute Versuche hin. Völlig erschöpft aber mit einem grossen Grinsen überliess er Fäbu die Line. Wir konnten die Line beide bezwingen, wenn auch mit sehr zittrigen Knien. Zumindest mir ging’s so.
Eindrücklich ist, wie nahe Freude und Angst hier zusammen kommen. Vor und während dem Laufen überwiegt momentan noch die Angst, wie man so was geniessen kann ist für mich doch noch eher unvorstellbar. Doch dann am anderen Ende angekommen wechselt die Angst auf einen Schlag zu Freude.

Die kurze Line über dem Wasserfall
Unser kleiner Zuschauer

















Wir blieben noch zwei weitere Tage bei den Burgfällen in der Nähe von Gstaad. Es kam noch eine weitere Line hinzu. Sie war knapp dreissig Meter lang und nur mit dem Entlastungsband gespannt. Selbstverständlich trugen wir auch einen Flaschenzug mit in die Berge. Was wir aber zu diesem Zeitpunkt noch nicht wussten, war, dass er die ganze Woche nur zuschauen würde.
Fäbu und ich investierten viel Zeit in diese Highline, während Kili sich über uns auf der anderen Line austobte. Die Mühe hatte sich gelohnt, Fäbu und mir gelang die Begehung. Diese dreissig Meter verlangten mir einiges ab. Umso schöner war dann das Gefühl, als ich nach einem weiteren Highlinetag und nach einem (knapp bemessenen) Abendessen im Biwaksack lag und mir das Erlebte nochmals durch den Kopf gehen liess!
Gegen Mitte der Woche kippte leider das Wetter. Noch gerade rechtzeitig vor dem Regen konnten wir die beiden Highlines abbauen. Wir schulterten unsere leider immer noch gleichschweren Rucksäcke und zogen weiter. Die nächsten zwei Nächte verbrachten wir in einer kleinen aber wunderschön eingerichteten Hütte mitten in einer Schlucht.
Die Zeit schlugen wir mit Backen oder vielleicht auch Kochen von Keksen tot. Alles was wir hatten war Polenta, Zucker und Kondensmilch. Sollte reichen meinte Fäbu und knetete die Masse solange, bis das Ganze überall klebte, aber sicherlich nicht in der Pfanne. Zum Dessert wagten wir dann den ersten Bissen. Und: also ja, naja. Wir hatten den ganzen Tag in das Zeugs investiert, deshalb musste es dann halt auch irgendwie lecker sein.
Genügend gross können Rucksäcke irgendwie nie sein...
Glücklicherweise kam die Sonne wieder zurück. Uns blieben noch zwei Tage bis zur Heimreise und nach einer kleinen Beratung entschlossen wir uns, einiges Material in der Hütte zu lassen. So planten wir eine Rundwanderung und machten uns auf den Weg. Wir alle genossen die letzten Tage und den leichteren Rucksack riesig. Beim letzten Biwak-Platz liessen wir die Woche noch so richtig ausklingen. Wir boulderten noch eine Runde, spannten eine kurze Slackline über die Überreste eines Schneefeldes und sassen noch lange am Feuer. Genau so sollten die perfekten Ferien enden.

Geschrieben von Benj.