Dienstag, 7. Januar 2014

Von den Niederhörnern am Thunersee


Kürzlich habe ich wieder einmal versucht Tom und Co für die Niederhorn-Line von Jeremy, Alexis und James zu begeistern. Ich hatte bis dahin schon oft versucht jemanden dafür zu finden, da Beatenberg und somit das Niederhorn wirklich nur ein Katzensprung von uns zuhause weg sind. Bis dahin hatten sich aber alle partout geweigert - der Zustieg sei ihnen zu lang. "Ig loufe sicher nid 6 Stung im Winter für e Wiederholig dört ufe!", hies es. Nun stellte sich überraschenderweise heraus, dass wir bis dahin nicht vom gleichen Niederhorn gesprochen hatten.
Ich hatte fälschlicherweise immer gedacht Alexis und Jeremy wären auf dem Niederhorn bei Beatenberg gewesen, eigentlich waren sie aber auf dem Diemtigtaler Niederhorn.
Tom, Hugo, Bernhard, Marc und ich wollten uns gleich zwei Tage später an das Projekt machen. Schade war nur, dass Benj nicht frei nehmen konnte, denn so hätten wir endlich mal wieder zusammen ein Highline-Projekt machen können.

Mit vier Davoser Schlitten im Kofferraum fuhr ich los. Um 8 Uhr trafen wir uns in Bern (Naja zugegeben, es wurde wie üblich ein klein wenig später). Und da geschah plötzlich das Furchtbare: Bernhard zog grinsend einen 3-Königskuchen aus der Tasche. Das kam mir irgendwie bekannt vor, denn vor genau einem Jahr hatte er auch so einen Kuchen mitgebracht. Damals hatte ich die kleine Königsfigur erwischt und wurde gezwungen mit dem Krönchen über die Highline bei der Untertorbrücke zu laufen. Dieses Mal würde es nicht mich treffen, dachte ich mir. Denkste! Gleich beim ersten Biss hatte ich das Teil schon wieder getroffen. Das wird so langsam schon fast Tradition.. Ich freue mich bereits jetzt auf nächstes Jahr!


Jedenfalls fuhren wir dann mit dem Auto nach Beatenberg. Von dort aus kann man bequem die Gondel bis ganz oben nehmen. Eine richtige Plaisir-Highline also. Oben angekommen schauten wir uns ein wenig um und entschieden uns dann der Krete ein wenig Richtung Süd-Westen entlang zu laufen, wo wir einen wunderschönen Spot fanden. Wir bauten zwei Lines auf, eine exponierte 35m Line und eine 70m Line. Von den Highlines aus hatten wir einen genialen Blick über den Thunersee und das Schweizer Mittelland. Es war so klar, dass man sogar am Horizont noch den Jura erkennen konnte.


Find the focus - 
Marc konzentriert sich für den nächsten Versuch
Während sich Hugo, Tom und Bernhard mit dem verankern der Lines beschäftigten, tapten Marc und ich die Lines.
Wie Tom prophezeit hatte, brauchten wir lange für den Aufbau. Erst um kurz nach zwei waren wir fertig.
Ich durfte als erstes auf die 35er, worüber ich mich sehr freute. Wie oft realisierte ich erst auf der Line, wie verdammt hoch es doch schon wieder war. Am Ankerpunkt, der in Richtung Thunersee lag, ging es einige hundert Meter direkt runter. So kriminell war es nicht mal letzte Woche bei Snöüdel am Breitenberg gewesen. Das Ende der Line ging seitlich genau an die Kante, was die Angst vor der Höhe nicht unbedingt verminderte. 
Die anderen schmunzelten mal wieder über meinen Norddeutschen Akzent bei meinen üblichen Selbstgesprächen auf der Line, um das mal ganz Vornehm auszudrücken. Beim ersten Versuch lief ich bis in die Mitte der Line. Nachdem ich die Line auf Bärni's Bitte hin nachgetapt hatte, lief ich sie dann FM.

Einige Sekunden später: Tom erzählt
Highline-Weisheiten, Marc arbeitet am HM
Erstaunlicherweise fühlte sich der Rückweg deutlich weniger bedrückend an, da man anstatt auf die exponierte Felskante zu schauen, einen sanften Grashügel vor sich hat.
Da Bärni noch ein wenig brauchte, bis er bereit für die Line war, konnte ich noch einen Versuch machen und das Laufen dieses Mal zeitweise sogar geniessen. Da ich als erster über die Line lief, durfte ich der Line später den Namen geben, welchen ich an dieser Stelle ganz offiziell zu "Von den Niederhörnern am Thunersee" ändere.

Als nächstes war Marc dran, der nach ein paar Versuchen einen schönen Halfman in die schwierigere Richtung schaffte. Tom, Bernhard und Hugo liefen die 35er routiniert - wie man sich das halt so gewöhnt ist. Aber auch sie hatten an diesem Tag zu kämpfen, nämlich auf der anderen Line. Marc und mir reichte die 35er Line und so hatten die drei genügend Zeit um auf der 70er ihre Herausforderung zu finden. Keiner lief die Line - somit könnte ich mir gut vorstellen, dass auch sie gerne wieder mit ans Niederhorn mitkommen.
Erwähnenswert ist auf jeden Fall noch unser Abstieg. Nachdem wir abgebaut hatten war es komplett dunkel. Mit den grossen Rucksäcken Schlitten zu fahren wurde zu einer anstrengenden aber lustigen Aktion.

Geschrieben von Fäbu.