Sonntag, 23. Februar 2014

Malaysia - Sechs Wochen ins Unbekannte

Die Petronas Towers in Kuala
Lumpur
Einfach mal auf die Weltkarte schauen, irgendein Land raussuchen und spontan losfahren - das wollte ich schon immer mal machen... 

Als Kriterien hatte ich: Warmes Wetter, ein schönes Meer und einigermassen billige Flug- und Lebensunterhaltungskosten. Sechs Wochen in ein Land zu gehen, das ich bis dahin knapp vom Namen her kannte, schien eine interessante Sache zu sein. Ein paar Tage später sass ich bereits im Flugzeug nach Kuala Lumpur. 

Dazu kam es ironischerweise weil ich beim letzten Test für die Fallschirmaufklärer-RS rausgeflogen war. Also Ferien anstatt irgendwo im Schlamm leiden zu müssen. Mein Militärdienst wurde verschoben und ich hatte plötzlich wieder zwei Monate frei. Dazu sagte ich natürlich nicht nein. Der Plan war eigentlich Arbeiten zu gehen, aber als ich nach zwei Wochen immer noch keinen Job gefunden hatte entschied ich mich eines kalten Tages Reisen zu gehen. Start meiner Reise war die (für mich als Schweizer riesige) Hauptstadt Kuala Lumpur. Ich schaute mich am ersten Tag ein bisschen dort um, aber eigentlich liegen mir so Grossstädte nicht so sehr und zudem wollte ich so schnell wie möglich ans Meer. Deshalb fuhr ich am nächsten Tag spontan nach Penang, einer Insel an der Westküste. Dort erwartete mich eine der wenigen Enttäuschungen auf meiner Reise. Wegen des grossen Handelshafens war das Wasser leider nicht so sauber, der Grund warum ich zwei Tage später weiter auf die Insel Langkawi fuhr. Durch die Nähe zu Thailand war dort touristenmässig extrem viel los.



Unsere Langkawi-Roller-Crew
Das war eigentlich nicht was ich suchte, aber dann lernte ich viele sympathische Leute kennen mit denen man einen Haufen spannende Sachen unternehmen konnte. Highlights waren Tagestouren mit Motorrollern oder Kajakfahrten zu den nahegelegenen Inseln um zu Angeln, was beides dank der lustigen Bekanntschaften viel Spass gemacht hat. So blieb ich letztendlich zwei Wochen dort hängen bis ich mal meinen Rucksack wieder neu packte. Mein nächstes Ziel waren die Perhentian Islands, welche auf der anderen Seite Malaysia’s liegen. Wie sich herausstellte, kam ich anfangs Februar genau zur richtigen Zeit. Die Inseln waren wegen dem Monsun offiziell noch geschlossen, weshalb sich nur wenig andere Backpacker und Backpackerinnen dorthin verirrt hatten.
Blick über die Insel Perhentian Kecil
Die wenigsten Restaurants und Guesthouses waren offen. Dadurch lernte man die Locals schnell kennen und nach ein paar Tagen hatte es fast schon etwas Familiäres dort. Beide Inseln sind komplett überwachsen von Regenwald, hier und da gibt es ein paar kleine Strände mit ein paar Hütten. 
Strassen mit Autos drauf wird man vergeblich suchen. Die einzige Verbindung zwischen den Stränden und dem Fischerdorf sind kleine Pfade oder Fischerboote. Auf der kleinen Insel Kecil Perhentian braucht man zu Fuss etwa zwei Stunden von Nord nach Süd, in der Breite hat man sie angenehmerweise in 10 Minuten durchquert. Strom gibt es nur Nachts.

Unterwegs zum geheimen Strand
Das Wasser war richtig schön klar und blau wie ich es sonst nur aus der Werbung kannte. Ich mietete mir für umgerechnet 7 Euro eine kleine Holzhütte am Ende des Strandes zwischen den Felsen, keine 10m vom Wasser weg. Unterhalb meiner Hütte gab es eine Palme, von der ich mir dank meiner netten Vermieter täglich meine Kokosnüsse holen durfte. Morgens vom Geräusch der Wellen aufzuwachen und über das Meer zu schauen war ein ziemlich cooler Start in den Morgen. Anschliessend eine frische Kokosnuss trinken, ein oder zwei Mangos essen und der Tag konnte definitiv beginnen. Obwohl ich Seiten mit dem weiteren Beschreiben der Insel und dem was man dort so alles anstellen kann füllen könnte, werde ich mich hier mal auf das Wesentliche konzentrieren. Meine Hauptbeschäftigungen waren Kajakfahren, die Insel durch Wanderungen erkunden gehen, den Korallenriffen entlang schnorcheln und ab und zu mal zu angeln, wenn ich gerade jemanden dafür begeistern konnte. Dann machte ich noch meinen Tauchschein. Das Tauchen war neu für mich und hat echt Spass gemacht, da man doch deutlich weiter runterkommt als man es sich so vom Schnorcheln gewohnt ist. Verglichen zum Mittelmeer hatten die Meeresbewohner in Malaysia schon einiges mehr zu bieten. Von Rochen, Nemos, Papagaienfischen und Riffbarschen bis zu den riesigen Meeresschildkröten ist dort vermutlich für jeden etwas Interessantes mit dabei. Ab und zu sah man auch mal einen Blacktip-Hai. Einmal wurde ich eine gute Viertelstunde lang von mehreren von ihnen umkreist, weil ich beim Schnorcheln einen Fisch gefangen hatte. Sie waren aber klein, so dass ich ihnen sorglos zuschauen konnte. 


Beim abgebrochenen Jetty
Ebenfalls ein gutes Erlebnis war es ein paar Meter zu den grossen Schildkröten hinunterzutauchen. Sie sind sympathische Tiere, die den Anschein erwecken den ganzen Tag lang nichts anderes zu machen als einsam irgendwo am Meeresgrund zu sitzen und zu fressen. Sie lassen sich nicht von Menschen stören, so lang man ein paar Meter Abstand von ihnen hält.
Einzig wer sich nicht so gut mit Reptilien versteht, sollte einen Ausflug auf die Inseln eventuell nochmals überdenken. Es ist keine Besonderheit auf dem Nachhauseweg Warane anzutreffen, welche gut und gerne bis zu 2m lang werden können. 



Wer würgt hier wen? Diese kleine
Python hatte ganz schön Kraft, wie man
an der Farbe meiner Finger erkennen kann.
Auch Pythons sieht man ab und zu mal. Meistens zeigen die Locals sie abends stolz herum, wenn sie eine gefangen haben. Übrigens: Die Pythons schätzen die feuchte Umgebung der Dusche/des Badezimmers, weshalb sie sich zur allgemeinen Freude der Touristen gerade dort ab und zu mal niederlassen. Das ist womöglich der Grund dafür, dass gelegentlich Leute die Insel am liebsten fluchtartig verlassen würden. Nach einem ereignisreichen Tag abends mit allen am Lagerfeuer zu sitzen, einer Gitarre zuzuhören und das eine oder andere Bier zu trinken machte den Tag dann meistens ganz perfekt. So verliefen die Tage einer nach dem anderen ohne dass man es richtig merkte. Ab und zu gingen mal ein paar Leute, wofür dann wieder neue ankamen. 




Ein paar selbst gepflückte Kokosnüsse, viel
mehr braucht man zum Leben nicht! 
Nach drei Wochen im Paradies wurde es dann langsam aber sicher Zeit aufzubrechen. Die Hauptsaison begann, was man leider auch deutlich merkte. Es kamen immer mehr normale Touristen an. Da die Insel so klein ist, waren die Restaurants Abends überfüllt und auf einmal kannte man nicht mehr alle Leute, was der Grund dafür war, dass ich spontan abreiste. In der letzten Woche tingelte ich die Ostküste mit ein paar Zwischenstopps herunter in Richtung Kuala Lumpur. Dort verbrachte ich dann noch zwei lockere Tage und machte mich dann mit fast 35 Kg Gepäck (hauptsächlich Früchte) zurück in Richtung Heimat. 





Die Jackfruits kann ich nur empfehlen!
Was ich nicht unerwähnt lassen möchte sind die Früchte in Malaysia. Ich liebe exotische Früchte und weil es dort so viele davon gab, mutierte ich zeitweise zum reinen Veganer. Meine Hauptnahrungsquellen während dieser Zeit waren verschiedene Litschi- und Mangosorten, Jackfruits, Mangosteen-früchte, Kokosnüsse und Bananen. 

Zurückblickend war die Reise ein einmaliges Erlebnis für mich. Mal alleine auf mich selbst gestellt zu sein war eine spannende Erfahrung. Absolut nichts und niemanden zu kennen und einfach mal das zu machen, worauf man gerade Lust hat, das scheint manchmal gar nicht so verkehrt zu sein. 


Kurz nach Sonnenuntergang auf dem 
höchsten Berg Langkawis
An alles Alltägliche, Probleme und Verpflichtungen braucht man plötzlich keinen Gedanken mehr zu verschwenden. Man lebt im hier und jetzt, dort wo die Sonne am scheinen ist und die Leute mehrheitlich gut drauf sind. Die einzigen Fragen die man sich stellen darf sind „Was esse ich?“, „Wo schlafe ich“ und „Mit wem reise ich weiter?“. Neue Leute kennenzulernen ist so gut wie nie ein Problem. Etwas, das ich bis jetzt in Europa noch nicht so erlebt habe. All das motiviert mich für die nächste Reise zu sparen. Wenn alles gut geht, funktioniert die Geschichte das nächste Mal als PassionSlackers-Team - ausgerüstet mit genügend Highline- und Klettermaterial um ein grösseres Projekt realisieren zu können.

Geschrieben von Fäbu.