Mittwoch, 12. Juni 2013

Die erste alpine Highline


Sam beim Sonnenuntergang, Foto: Thomas Buckingham

Passend zum ersten Blog-Eintrag habe ich mal was zu meiner allerersten richtig alpinen Highline geschrieben.
Das mag spektakulär klingen. Es begann aber eher bescheiden bis umständlich, wenn ich ehrlich bin.
Pascal hatte im Vorfeld die Pläne gemacht. Ort des Geschehens waren die Hächlezänd in der Schrattenfluh. Die Highline wurde erstmals im Jahr 2006 aufgebaut und war damit eine der ersten Highlines in der Schweiz.

Die anderen waren bereits vor mir angereist. Ich hatte das Auto meiner Eltern nehmen dürfen und kam ein paar Stunden später nach. Vom Parkplatz bis zur Heftihütte waren es nur 500-600 Höhenmeter, aber ich hatte das Gefühl das Hochlaufen höre nie auf. Meine Güte! So etwas war für mich als ehemaligen Hamburger, der als grössten Höhenunterschied den Deich (ca. 10m hoch) kannte, etwas ganz Neues. Das war eindeutig keine "Plaisir-Highline".
Dazu kam noch, dass ich keine Karte in der Hand hatte, sondern nur die Karte aus dem Internet, abfotografiert mit meinem Ipod. Das stellte sich neben den Laufschuhen als weiterer Fehler heraus. Bei dem grellen Tageslicht und der unterirdischen Qualität des Fotos war es keine leichte Aufgabe überhaupt irgendwas auf dem Display zu erkennen. Scheinbar riet ich aber richtig und stiess nach einiger Zeit auf den Wanderweg. Als ich die Baumgrenze erreicht hatte und noch ein Stückchen den Berg hochgekeucht war, hörte ich plötzlich weit entfernt stimmen. Dann konnte ich auch schon die Highline oben zwischen den Felsen entdecken. Es sah ziemlich eindrücklich aus. Irgendwie war es fast ein bisschen unwirklich wie eine kleine Silhouette einfach so zwischen den Felsen in der Luft herumlief.
Kurz zur Line: Auf der einen Seite ging es ca. 40-50 runter, auf der Westseite der Line waren es allerdings ein paar hundert Meter. Ab und zu hörte man wie sich Steine weiter weg in der Wand lösten und mit so einem besonderen, doch recht eindrücklichen Geräusch ins Tal stürzten.

Pascal mit einem sehenswerten Double-Knee-Drop
Foto: Thomas Buckingham
Bis auf Timon und mich waren alle erfahren was das Highlinen angeht, sodass sie die Line ohne Probleme laufen konnten.
Ich hatte viel Mühe meine Angst zu überwinden und den Fokus zu finden. Der Fixpunkt verschwamm mir ungünstigerweise immer wieder vor den Augen, was ziemlich mühsam war. Tom half mir wieder mal ungemein mit seinen Tipps.
Jedenfalls schaffte ich es dann das störende Zeug und die Angst in meinem Kopf zu überwinden und mich auf das Aufstehen zu konzentrieren. Das Catchen hatte ich glücklicherweise schon relativ konstant an unserem Homespot über der Aare in Bern gelernt, und so entging ich erfolgreich dem Horror eines Leashfalls. So ging es ein paar Versuche, dann konnte ich einige Schritte machen und schliesslich bis zur Mitte laufen. Das Ganze war ein ziemlicher Kampf. 


Einer meiner ersten Versuche
Foto: Thomas Buckingham
Ebenfalls ungünstig waren meine Beine, die ständig loszitterten, ohne dass ich etwas daran hätte ändern können. Das machte es auch nicht unbedingt einfacher voranzukommen. Irgendwie stand ich dann aber doch auf der anderen Seite. Der Rückweg gelang auch noch. Ich glaube die anderen hatten ein bisschen ihren Spass, weil ich auf der Line lautstark mit mir selbst geredet hatte, um mich irgendwie von der scheusslichen Höhe abzulenken. Wieder auf solidem Boden angekommen war es ein sehr erleichterndes Gefühl, aber gar nicht einmal so spektakulär, wie es viele sonst beschreiben. Ich glaube ich hatte noch zu viel Angst in den Knochen um irgendetwas geniessen zu können, trotzdem war es ein tolles Erfolgserlebnis. 
Dann kam Jeremy an. Er lief die Line ohne Probleme und hatte sichtlich seinen Spass am Highlinen, wie man auf dem Foto unten erkennen kann. Langsam neigte sich der Tag auch schon dem Ende zu. Wir sahen einen schönen Sonnenuntergang, bei dem ein paar coole Fotos entstanden. Dann ging es zurück zur Hütte. Wir verbrachten einen gemütlichen Abend und entschieden uns nach Dosenbier und Kräuterschnaps spontan am nächsten Morgen vor Sonnenaufgang aufzustehen um zur Highline zu gehen. Gesagt, getan. Nur wenige Stunden später klingelte der Wecker. Wir zwangen uns aufzustehen (Die Hälfte von uns blieb liegen). Aber das Aufstehen war es wert gewesen, wie sich kurze Zeit später herausstellte.

Der Himmel hatte eine gelb-orange-rote Farbe, als wir oben ankamen. Sam machte den Anfang und lief fast Wort wörtlich in den Sonnenaufgang. Tom liess mich als nächstes laufen und stieg selbst ab um von weiter entfernt Bilder zu machen. Nachdem wir gefrühstückt hatten und alle genug vom Highlinen hatten, bauten wir ab, packten das Material zusammen und machten uns auf den Rückweg. Eine unvergessliche Aktion!

Geschrieben von Fäbu.

Eine kleine Silhouette zwischen den Hächlezänd, Foto: Thomas Buckingham