Sonntag, 17. August 2014

Vom Käsegeheimnis am Niederhorn - ein unerwartetes Projekt


19:00, Freitags Abends. Die letzten drei Stunden habe ich damit verbracht alles fein säuberlich für das bekannte Highline-Projekt am Säsagit zusammenzupacken. Gleich noch kurz etwas essen und dann geht es mit Marc auf den Zug in Richtung Chur. Vorfreude und auch eine gewisse Anspannung sind da. Dann klingelt das Handy.
PROJEKT ABGESAGT. Ein kurzer Moment der Entrüstung und Enttäuschung ist da. 

Andreas verfolgt die Erstbegehung
Eine Stunde später sah die Welt zum Glück schon wieder etwas besser aus. Es waren genügend Motivierte da um ein spannendes Alternativprogramm auf die Beine zu stellen. Es ging ans Diemtigtaler Niederhorn (nicht zu verwechseln mit dem Niederhorn bei Beatenberg). Alexis hatte dort letztes Jahr schon zusammen mit Jeremy Folly, James Clulow und Sebastien Collet zwei Lines gespannt. Dabei entstand ein echt toller 
Film, den ich so gut finde, dass ich ihn von Zeit zu Zeit immer wieder mit Begeisterung anschaue. Ein Grund warum ich mich umso mehr freute dort hinzugehen.
Andreas und Alexis fuhren bereits am Samstag Nachmittag hoch. Bernhard und ich folgten am nächsten Morgen. 

Bernhard bei seinem Fullman
Bei der letzten Alp angekommen kauften wir bei einem Bergbauern noch ein Kilo Käse. Der war so lecker, dass er später sogar mit wachsender Begeisterung von den Nicht-Käsebegeisterten und Veganern unter uns gegessen wurde, was kein schlechtes Qualitätszeichen zu sein scheint. Als wir oben ankamen war die Line gerade fertig aufgebaut. Alexis machte eine sichere Erstbegehung der 40m langen Line.
Andreas, Bernhard und ich konnten das neue Core II Highstretch-Band von Landcruising ebenfalls bezwingen und am Ende glücklich auf der anderen Seite stehen. Nach einer guten Portion Pasta ging es mit einem tiefer gelegenen Schwerpunkt noch einmal auf die Highline. Als alle genug hatten fingen wir vergleichsweise erstaunlich früh mit dem Abbau an (ausnahmsweise kein Einsatz von Stirnlampen). Kurz bevor wir damit fertig waren, bekamen wir noch Besuch von Simon, einem Freund aus dem Fallschirmkurs, der nicht weit weg im Simmental wohnt. Er kam ausgerüstet mit einem Kletterseil vorbei. Simon und ich verabschiedeten uns von den anderen, die ins Tal abstiegen und sich nach einem kurzen Halt beim Bergbauern mit einem halben (!) Käseleib auf den Heimweg machten, wie ich später erfuhr. 
Warum der Käse dort oben so gut schmeckt, könnte man an folgender Situation festmachen. Mir fehlt leider ein Foto davon, aber als ich gerade die Highline in die zweite Richtung zurücklief, sah ich tatsächlich wie sich eine der Kühe bis ganz vorne an die Klippen wagte, eine Zeit lang dort stehen blieb und hinunterschaute.


Ein richtiger Kuhflüsterer bedankt sich persönlich!
Ich wage mal die vorsichtige Vermutung, dass ihr der Ausblick ganz gut gefiel und sie deshalb dort hinlief. Um den Rest der Theorie in Worte zu fassen: Glückliche Kühe produzieren den besten Käse! 
Naja, wie dem auch sei... Simon und ich liefen weiter um das Niederhorn herum, so dass wir am Fuss der Felswand standen. Es war nicht mehr früh als wir uns vor der Fünf Seillängen langen Route bereit machten. Simon schlug vor die Rucksäcke mitzunehmen. Eigentlich wollten wir nur zwei Seillängen machen, aber man wüsse ja nicht ob man dann nicht doch spontan bis ganz nach oben wolle, so Simon’s Argument. Er ist um einiges fitter im Klettern als ich, weshalb er meinen grossen Slackline-Rucksack mit 70m Core übernahm, welcher später übrigens stolze 18kg auf die Waage brachte.


Simon in der zweiten Seillänge
Wie man sich denken kann blieb es nicht bei den zwei Seillängen. Ich weiss den Schwierigkeitsgrad der Route nicht genau, aber an ein paar Stellen hatte ich ganz schön zu kämpfen – auch ohne den Rucksack. Mitten in der Wand wurde es langsam aber sicher immer windiger und kälter, so dass wir froh waren als wir das sichere Ende erreichten. Nachdem wir das Niederhorn heruntergerannt waren, hatten wir beide wieder eine angenehme Körpertemperatur. Wir hatten Glück und erreichten genau zum orange gefärbten Sonnenuntergang die Passhöhe. 

Geschrieben von Fäbu.